Mein Tag auf der Gangtour #Zweipunktnull

Meine Tante fragte mich vor einer Woche, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr und meiner kleinen Cousine auf die Gangtour zu gehen. Ich habe kurz drüber nachgedacht: Ich bin nicht der größte Fan dieser Bande von Prankern, Beautygurus und, naja, nennen wir sie mal „Künstler“. So betiteln sie sich nämlich selber: „Künstler“… Was es für eine Kunst ist, Formate zu kopieren und unter eigenem Namen neu aufzulegen, soll mir mal jemand näher erklären. Egal.
Was ich jetzt im Vorfeld dazu sagen kann ist, dass die Karte ca. 37 Euro kostet (also mit Versand), die Show angeblich zwei Stunden lang ist und es mit Sicherheit einen Haufen schreiender Kinder geben wird. Perfekte Bedingungen, um sich da erstmal ein Bier zu gönnen (sofern es am Abend überhaupt Bier zu kaufen gibt).

Ihr fragt euch wahrscheinlich: Warum tut sich das ein 24 Jahre alter Typ an? Also, um ehrlich zu sein, wollte ich mir einfach ein Urteil darüber machen, wie es da wirklich abgeht (und außerdem hab ich die Karte nicht zahlen müssen). Im Vorfeld alles verurteilen kann jeder… vielleicht zurecht? Wir werden es sehen…

Bewaffnet mit meiner kleinen GoPro und einem Selfiestick (alles wegen Tarnung, Ihr wisst bescheid) machten wir uns also auf den Weg.
Nach einer langen Parkplatzsuche gingen wir in Richtung des Eingangs. Der Einlass war sehr geordnet, aber nur solange bis einer der YouTube-Stars sich zeigte. Viele der Jugendlichen und Kinder liefen ohne zu schauen auf die vielbefahrene Straße (ja, es fuhren sehr viele Autos und ja, es war sehr gefährlich), in der Hoffnung, ein Foto oder ein Autogramm ihres Stars zu bekommen.

So nach etwa einer Stunde Warten am Eingang waren wir endlich dran, hereingelassen zu werden. Ich habe da auch die Theorie aufgestellt, dass, wenn man YouTuber treffen möchte, man eine von zwei Sachen haben muss:
1. Glück, sie in der Stadt zu treffen, oder
2. Füße, die niemals wehtun, weil man irgendwie immer warten muss. Auf alles.
Bei der Taschenkontrolle gab es dann aber eine schlechte Nachicht für mich: Die GoPro durfte nicht mit rein. Also musste ich sie zurück zum Auto bringen. Nun war ich einer von vielen Menschen, die ihr Handy zum filmen nutzten. Und mit vielen Menschen meine ich fast alle.

So. Wir sind also drin. Es fühlte sich zunächst an, als wenn ich auf einem normalen Konzert wäre, allerdings mit einem sehr hohen Anteil Minderjähriger.
Doch spätestens als wir vor der Bühne waren, merkte man den Unterschied. Dort versperrte eine riesige Leinwand, auf der in Dauerschleife Werbung oder Ausschnitte aus Videos der Stars liefen, die Sicht.

Kurz nach 18 Uhr begann das Event. Der Geräuschpegel nahm zu. Gut, dass ich meine Ohrstöpsel dabei hatte.
Den Anfang machte Simon Desue. Mehr oder minder ein Urgestein. Sein Beitrag zur Show war eine Art „DJ Set“. Das wirkte allerdings mehr wie „Ich drücke auf Play und hampel dann rum“.

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In etwa so gestaltete sich die ganze Show. Ob jemand von den Außenseitern oder Mike Singer: Jeder hatte Songs dabei, auf die die Kids voll abgehen konnten. Dass das meiste davon schlecht gesungen oder gar Playback war, interessierte niemanden.

Etwa in der Mitte der Show trat dann ein semibekannter Magier auf. Das war Farid. Dem ein oder anderen ist er eventuell noch aus der ProSieben Sendung „The Next Uri Geller“ bekannt. Er war von Uri Geller persönlich mit den Worten „Farid, stop it!“ in seiner Darbietung gestoppt worden, weil es viel zu gefährlich war und er seine Vorbildfunktion vernachlässigte. So einer passt natürlich sehr gut auf eine Veranstaltung für Kinder (Sarkasmusoff). Auch hier brachte er einen Trick, den man eigentlich nicht vor 10-16 Jährigen bringen darf: Er schluckte ein Hustenbonbon, umschlang seinen Hals mit einem Kopfhörerkabel und schaffte es dadurch, das Bonbon aus seinem Hals auf das Kabel aufzufädeln (wow). Die Show war meiner Meinung nach nicht schlecht, aber sicherlich nicht angemessen für so ein Publikum.

Langsam aber sicher kamen wir ans Ende der Show. Wer sich nun fragt, warum ich Dagi & Co. noch nicht erwähnt habe, dem sei gesagt: Sie kamen immer nur für höchstens eine Minute auf die Bühne, um zu sagen, dass der Merch-Stand am Ende der Show nicht mehr auf hat und um den nächsten Act anzusagen. Danach verschwanden sie wieder.

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Zum Abschluss der Show gabs dann den Auftritt von Apecrime. Eigentlich auch mein Highlight, wenn man so will. Die habe ich auch mal geschaut. Natürlich taten sie es ihren Vorgängern gleich und peformten drei Lieder, wobei beim letzten Song „Bang Bang“ am Ende Konfettikanonen die Halle in goldenen Schein hüllten. Außerdem kamen nochmal alle YouTuber auf die Bühne und tanzten rum (yeahi, was ein Spaß).

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Als wir dann die Halle verließen, sagte meine Cousine etwas enttäuscht: „Die konnten ja alle gar nicht singen.“ Naja, immerhin eine späte Einsicht.

Mein Fazit: Die Show wirkte auf mich gewollt und nicht gekonnt. Alles war einfach nur künstlich und unterstrich noch mal die Talentfreiheit einiger „Künstler“. Jetzt am Ende noch der WTF-Moment des Abends: Mitte der Show zwischen den Acts wurde noch einmal der Kinotrailer gezeigt, der beim Einlass ca. zwei Stunden über die Leinwand flimmerte. Geil!
Ich hätte gerne am Ende gesagt, dass sich die 37 Euro Eintritt wenigstens für die Kinder und Jugendlichen lohnen und dass die Show was für die jüngere Generation ist. Aber nicht mal das kann ich. Natürlich gibt es diese Fans, die das alles voll geil fanden, doch ich hatte den Eindruck, dass der größte Teil sehr enttäuscht wieder nach Hause gefahren ist.

Von |25.05.2016, 15:08|2 Kommentare

Verfasst von

Brian Schmidt
Praktikant bei MNSTR.medien. Hasst Glitzerpulver. Kann neben diversen Youtubehasskommentaren auch sehr konstruktiv sein, wenn er will.

2 Kommentare

  1. Walter Bartsch 2016/05/27 um 13:41 Uhr- Antworten

    Das hört sich alles sehr, sehr schrecklich und traurig an!
    Fang jetzt bitte nicht an dich selbst zu verletzen.
    Kopf hoch, es kann nur besser werden!

  2. Clemens Gardemann 2016/05/30 um 11:07 Uhr- Antworten

    Falls du jemanden jetzt brauchst Timo, wir stehen hinter Dir!